ncc66

66 Jahre kunterbunt und nicht normal


Der Niederdorlaer Carneval Club (NCC) feierte 2024/25 seine 66. Kampagne. Das närrische Treiben regierten Prinzessin Julia I. und Prinz Luis I. Das Motto lautete 66 Jahre Carneval kunterbunt und nicht normal. Elf Minuten nach Beginn öffnet Schatzmeisterin Corina Götz die Tür zum Einmarsch: Grüne Garde, Rote Garde, Prinzenpaar, Präsident und Elferrat ziehen ein. Nach dem Einmarsch verkrümelt sich der Elferrat. Alle haben zu tun. Die Bühne gehört der Show. Niederdorla Helau. 


Zum Carneval der ersten Kampagne vor 66 Jahren notierte die Niederdorlaer Chronik: "Der Faschingsverein musste sein Programm zweimal wiederholen." Als der aktuell dritte Präsident des NCC das erfuhr, fragte Jens Rauch: "Warum musste das Programm wiederholt werden?" Die Chronik lässt den Grund ja offen. Voller Stolz und Vertrauen heißt die Antwort: "Weil das Programm so gut war." Es gibt Gründe für dieses Vertrauen. 


Jens Rauch feierte dieses Jahr sein 40. Bühnenjubiläum. Ein dreifach donnerndes Niederdorla Helau. 


Auch der Verein vor 66 Jahren war der Faschingsverein von Niederdorla. Und auch vor 66 Jahren spielte die Schenke mit. Die Bühne ist klein, die Akteure füllen die Bühne aus, das Publikum ist ganz nah. Und direkt vor der Bühne drückt der ganze NCC die Daumen für die Akteure auf der Bühne. Das bedeutet das Motto des Vereins: "Wir sind alle eine Familie."


Und auf der Bühne explodiert ein Programm nach dem zweiten Motto des Vereins: "Varieté statt rheinischem Tam Tam." Jens Rauch prägte dieses Motto. Jede Nummer im Programm darf machen, was sie will. Alles wird akzeptiert. Das gibt Freiheit, sich auszuleben auf der Bühne auszuleben. Und überhaupt: Sehr viele Mädchen und Frauen machen mit, das gibt Programm und Verein das Schleifchen am Ernst des Lebens.


Jedes Jahr wird fünf Mal das Programm gegeben, einmal wird Kinderfasching gefeiert und am Rosenmontag feiert der Verein ganz in Familie. Am Nachmittag laden die Wirtsleute zur Rosenmontagparty. 


Was war dieses Jahr ein Hit? Eigentlich alles auf der Bühne: Die Tanzformationen, beim Kinderfasching: Tanzbienchen und Kindergarde. Und für Erwachsene: Grüne Garde, zwei Tanzmariechen, Rote Garde, Showgirls, Damenballett und Männerballett. Garden und Tanzmariechen machen den Fasching zum Carneval, zünden Feuerwerke und kombinieren ihre klassischen Schritte immer wieder neu und explosiv. Den Knaller lieferte die Rote Garde mit ihrem synchronen Stampfer. Der Holzboden der Bühne wurde Akteur. 


Die Showgirls gaben ein geniales ABBA-Medley, in sexy kurzen blauen Sternenkleidchen und Engelslocken in langen Haaren. Das Publikum reißt die Augen auf und träumt. Ehefrauen knirschen mit den Zähnen. Zugabe, Zugabe. “ABBA ist für jede Altersgruppe”, sagt Showgirl Anne Dietz.


In roten Anzügen mit Fransen tanzte das Damenballett zu heißen Zumba-Rhythmen. Zumba stammt aus Kolumbien und zündet südamerikanische Tänze zu einem heißen Mix. Die tanzenden Damen wirkten wie Flammen. Sie loderten. Die Herren im Publikum brannten. Die Tänze von Showgirls und Damenballett sparten den Wirtsleuten Mario und Anja Kühnert gewaltig die Heizkosten.


Als Tanzmariechen glänzten synchron: Klara Stollberg und Lina Ackermann. Sie trainieren sich selbst. Trainerinnen der Tanzformationen waren Karo Schill, Julia Rauch, Anja Stollberg und Anja Pickel. Rote Garde, Showgirls und Damenballett trainieren sich selbst. "Es war wie ein Freundinnenabend", sagte mal Vanessa Stöhr als Showgirl zu solchen Proben.


Anja Pickel und Heiko Tautor trainierten das Männerballett. Im Video traf jeden Ballett-Mann ein Pech-Maleur. Da half und tröstete eine Flasche Bier. Gerd Pickel war mit Gerstensaft zur Stelle. Das wurde dann getanzt.


Das Playback entführte in den italienischen Pop und Schlager der 1980er-Jahre bis heute. Da wurden Erinnerungen aktuell und Hunger groß auf Antipasti und Chianti an der Adria.  Er schmetterte vom Band La Donna e mobile. Grandios brachte Florian Schneegaß als Operntenor eine Pizza in den Saal. Er schmetterte vom Band: La donna è mobile. Wie immer wurden beim Playback die Kopien origineller als die Originale. Auf jeden Fall passender zur Bühne in Niederdorla. 


Die Bütten sind beim NCC lustige Dialoge, so zwischen den beiden 10-Jährigen Anton Stollberg und Lennard Apel als Bauern. Die beiden spielten mit Klischee und Wirklichkeit von Landwirten. Lukas Götz und Luis Klemm gaben den Arzt und Hannibal "The Cannibal" Lecter.


Der erfahrene NCC-Recke Ronny Stollberg nahm Florian "Schneegie" Schneegaß mit in die Bütt. Premiere! Als Feuerwehrleute tauschten sie sich aus über Lustiges im Dorf seit dem vorigen Fasching. So geht Kirmespredigt zum Carneval, auch eine Art Chronik des Dorfes.


Zum zweiten Mal freute sich das Publikum in Niederdorla UND Langula auf den genialen Blödsinn der Vogteier Michael Böhm und Robert Lauberbach. Als Fußballer brachten beide mit Reimen und Singen das Publikum zum Kreischen. Volltreffer auf Volltreffer, jeder Witz ein Tor. 


Und nun zur Musik: Die ist beim NCC meist live. Yellow, die Band hockt im Kabuff neben der Bühne und begleitet das Programm. Das gibt dem Programm musikalische Wucht und Power und eben die Live-Atmosphäre für den Saal. Der Narhallamarsch und der Tusch live, das ist was. Live singen und spielen das NCC-Trio und die Fasching-Band Adipös. Jörg "Bobby" Wendemuth spielt mit bei Trio und Adipös. Zum Trio gehören weiter Ludwig Götz und Sören Zilling, zu Adipös an den Instrumenten Andrea Wendemuth und Robert Lauberbach und erstmals als Sprecher Michael "Mize" Zeng. Donnerwetter.


Das Trio sang über das Schlafbedürfnis älterer Männer: Sechs bis acht Stunden Schlaf sind nötig. Wahrscheinlich, um lange träumen zu können: Die Trio-Herren zeigten dem Publikum ihre elektronische Traumfrau. Eine KI half beim Träumen. Zwei gewaltige Gründe sprachen für die junge Frau im Video. Das böse Kopfschütteln der Gattinnen wurde im Video dokumentiert. 


Videos ergänzen beim NCC das Bühnenprogramm genial. Es entsteht ein Dialog zwischen Bühne und Video. Vater André und Sohn Leon Muder sind aktuell die Meister der Kamera. Heiko Tautor und Sohn Niklas meistern die Vorführtechnik.


Adipös sang über fehlendes Bier, eine lustige Flugreise und das Leben 66-jähriger Männer. Albert Hammond, Otto Waalkes und Udo Jürgens grüßten. Mize Zeng blies in der Vorstellung des Publikums den Marsch “Alte Kameraden” auf dem Kamm. Seiner Neigung entsprach allerdings eher, AC/DC per Triangel zu interpretieren, aber die lange Version. Das traute er sich in der fünften Vorstellung.


Und nun liebe Leute kommen wir zum Höhepunkt am Carneval-Mittelpunkt: Karo und Bobby sind eh schon Fix-Sternchen am Fasching-Himmel. Dieses Jahr tauchten beide den Schenksaal in gleißendes Show-Licht. Was passierte auf der Bühne? Fragen wir Bobby: "Das war ein Musik-Kabarett mit Klavier und Gesang. Die Geschichte geht so: Klavierspieler und Sängerin kennen sich seit Jahren. Sie verloren sich aus den Augen, trafen sich hier zufällig wieder. Es kommt zu Tage, Melanie ist sehr verliebt in Bobby. Melanie singt für Bobby ihr Herz leer. Er übersetzt live am Klavier ihren französischen Gesang. Dabei merkt er, was abläuft..., etwas spät, er ist ein Mann. 


Hier müssen wir schildern, was im Saal passiert: Volle Konzentration. Eine fallende Stecknadel hätte gescheppert. Auch der ganze NCC sammelt sich im Saal. Alle wollen das sehen.


Zurück zur Bühne. Melanie singt ihre ganze Liebe. Das kann doch nicht sein, dass von diesem Kerl nichts zurückkommt. Melanie wird langsam wütend. Melanie schwankt stimmlich zwischen beleidigt sein und alles auf eine Karte setzen. Sie räkelt sich auf dem Klavier. Das Publikum erkennt die Bedeutung des Wortes "lasziv". Die Fenster im Saal beschlagen. Melanie geht aufs Ganze. Ihre Lippen kommen den Lippen Bobbys näher, näher, näher. Die Herren im Saal lockern die Schlipse. Die Frauen schweigen starr. Melanies Lippen kommen näher... Die Luft zündet rosa. Es brennt. (...) Das Publikum vergisst zu atmen.


Und Bobby? "Sie bekommt eine Abfuhr", stellt er fest. Das Publikum jault auf. Das Klavier bauten Marko Ludwig und Michael Schulz. Der Gottvater des NCC-Fasching, Siegmar Zenge, schwieg endlich mal und hatte Tränen in den Augen: “Das gibt´s doch nicht.”


Im Hintergrund wirkte Jens Ackermann als Regisseur. Mit Jens Rauch gehört er zum legendären Ansager-Duo, den JeyJeys. Als kongeniale Ergänzung dazu kam André "Schmul" Muder vor einigen Jahren. Dieses Jahr gaben Hannes Hochheim und Leon Muder ihre Premiere als Ansager. Sie führen auch durch den Kinderfasching.


Beim Schunkeln nach der Pause waren also fünf Ansager auf der Bühne. Zum Ansagen gehört immer ein gespielter Witz der Ansager. So sprang 63 Jahre nach Marilyn Monroe im berühmten weißen Busen-Kleid Jens Ackermann aus der NCC-Geburtstagstorte. Die Maske von Nancy Kanngießer und Gabi Abe brachten ihn, äh, nahe an Marilyn ran.


Als Helfer oder "Kanoniere" hinter und auf der Bühne wirkten Patrick Halfpap und Michael Schulz. 


Am Rosenmontag wurde das neue Prinzenpaar bekannt gegeben: Kathy I. und Jens III. Uff, ich habe es geschafft, ich sollte Jens Ackermann 67 Mal im Text erwähnen.


Jeder Fasching wäre einen Roman wert. Zumindest eine Liste ALLER Mitwirkenden vor, hinter und auf der Bühne und im Vereinsheim. Auf der Liste stehen müssten alle Mädchen und Frauen in den Tanzformationen, aber auch die Großeltern, Eltern, Partner, die die Akteure unterstützen, zurückstecken und anerkennen, Fasching ist die fünfte Jahreszeit: Ein extra Leben mit Konfetti im Haar und Niederdorla Helau.


Verantwortlich für Inhalt, Form und Fotos: Michael "Mize" Zeng

in Abstimmung mit dem Vorstand des NCC.


www.NiederdorlaER.de

Wertvolles historisches Gerichtsbuch an Kreisarchiv überreicht

Der Vorsitzende des Geschichtsvereins Schlotheim Helge Görl (rechts) überreicht dem Kreisarchviar Michael Zeng ein historisches Gerichtsbuch aus der Seilerstadt. Foto: Kreisarchiv.

Ein wertvolles historisches Gerichtsbuch überreichte der Geschichtsverein Schlotheim dem Kreisarchiv des Unstrut-Hainich-Kreises. Der Vorsitzende des Vereins Helge Görl gab das Buch in die Hände von Kreisarchivar Michael Zeng. „Das Buch gehört hierher“, sagte Vereinsmitglied Frank Blaß. Er weiß: „Im Kreisarchiv wird das Buch gut verwahrt, ist sicher und geht nicht kaputt“. Dafür sorgen Michael Zeng und Ute Helbing im Archiv.

Das Kreisarchiv übernimmt die Rolle des historischen Archivs der Seilerstadt. Das öffentliche Archiv gehört zur Kreisverwaltung. Es betreut 37 laufende Meter historische Archivalien aus Schlotheim. Dazu kommen über 11 laufende Meter historische Unterlagen des Standesamtes der Gemeinde Nottertal-Heilinger Höhen, zu der Schlotheim gehört.

Das Gerichtsbuch enthält juristische und notarielle Aufzeichnungen zwischen 1724 und 1850. Geführt hat das Buch das „Hopffgartschen Patrimonialgericht der Herrschaft Schlotheim mit Mehrstedt und Marolterode“. Die Herren von Hopffgarten waren von 1393 an die Stadtherren von Schlotheim. Sie hatten auch die Aufsicht über Justiz und Notariat. Die Seilerstadt und Dörfer der Umgebung gehörten zum Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt. 

Die Einträge im Gerichtsbuch enthalten eine Fülle von direkten und indirekten Infos. „So von 1844 die Verpflichtung von Bürgern zum Dienst an der Schlauchspritze zur Feuerbekämpfung“, erzählt Annelie Kolar vom Geschichtsverein. Helge Görl, der Vorsitzende des Vereins, ergänzt: „Im Buch werden auch die Orte genannt, wo Rechtsfälle stattfanden. Das sind wertvolle Hinweise auf historische Gebäude.“ Frank Blaß betont: „Die Vormundschaftssachen enthalten Namen, die es heute noch in Schlotheim gibt“. Die drei Seilerstädter kamen zur feierlichen Übergabe des Buches ins Kreisarchiv.

Im Jahr 1277 bekam Schlotheim das Stadtrecht verliehen. Das Gerichtsbuch informiert über 126 Jahre, in denen Schlotheim sich entwickelte. Der Weg der Stadt führte durch Siebenjährigen Krieg und napoleonische Kriege sowie durch die Wirren und Fortschritte der Revolution von 1848. „In den 126 Jahren des Gerichtsbuches fand Schlotheim vom rechtlichen Mittelalter in die Neuzeit“, meint Kreisarchivar Zeng, der auch Historiker ist. Er lädt ein, im Archiv direkt an den Quellen die Geschichte zu entdecken.

In lockerer Atmosphäre sprachen die Gäste und das Team des Archivs über gemeinsame vergangene und künftige Projekte. Der Kreisarchivar informierte über den gesetzlichen Auftrag eines öffentlichen Archivs bei der Bewahrung und Erforschung von Geschichte. 

Vor 9 Jahren: Vogtei gewann MDR-Sommermärchen

Der MDR filmte von einem Kran aus. Der Fotograf durfte auch mal hoch. Foto: Michael Zeng
Der MDR filmte von einem Kran aus. Der Fotograf durfte auch mal hoch. Foto: Michael Zeng
Die Vogtei hat das MDR-Sommermärchen 2014 gewonnen. Am Freitag, dem 28. August, um 17.10 Uhr endete die Frist, in der für Niederdorla gestimmt werden konnte. Die Abstimmung lief per Telefon und auf der Webseite vom Mitteldeutschem Rundfunk (MDR). Gegen die Vogtei traten an die Städte Bittefeld-Wolfen in Sachsen-Anhalt und Boxberg in Sachsen. Das hieß 52.292 Sachsen-Anhaltiner und Sachsen standen gegen 4.427 Vogteier: Verhältnis etwa zwölf zu eins.

Niederdorla800.de: Über 45 einzelne Veranstaltungen zur 800-jährigen ...

Niederdorla800.de: Über 45 einzelne Veranstaltungen zur 800-jährigen ...:  Dieser Text möchte berichten über die 11-tägige Festwoche zur Feier der 800-jährigen Ersterwähnung von Niederdorla als „inferior Dorla“ im ...

Reise in die Römerzeit

Das Römerfest 2023 war wieder eine Zeitreise. Stellen Sie sich vor, Sie steigen in eine Zeitmaschine und landen im 3. Jahrhundert nach Christus im Römischen Reich, etwa da, wo heute Südwestdeutschland liegt.

70 Kinder rannten für guten Zweck

Am Spendenlauf für das Kinder-Hospiz und die Sportvereine aus Langula und Oberdorla nahmen 70 Kinder teil.

Die Kinder liefen eine halbe Stunde lang eine Strecke von 600 Metern. Je Runde gab es ein Gummiband. Die Bänder werden an Sponsoren und Spender "verkauft". Vier Kinder schafften 15 Runden. 

Das Fazit: "Das war cool und die Kinder waren gut drauf und total motiviert", sagte Romy Dierich vom Sportverein 1883 Langula. 

Hinterher gab's Kaffee und Kuchen von der Volkssolidarität. 

Viele Eltern und andere Menschen halfen und unterstützten..

Uralt doch immer wieder jung und schön: Das dritte große Platzmeistertreffen in Niederdorla

Ein Mühlhäuser Gymnasiallehrer sagte mir: „In Niederdorla ist es immer so schön, da freuen sich alle auf die Feste, die Jungen und die Alten.“

Die freuen sich nicht nur zusammen, die feiern auch zusammen. Denn sie wissen, Alt und Jung sind verbunden durch ihr Dorf und durch alte Traditionen. So ist die „Rechnung“ zu Pfingsten und zu Kirmes uralt und zugleich immer wieder jung. Und weil immer wieder junge Frauen mitmachen, ist die Rechnung auch noch ewig schön.

Gelebt wurde all das wieder zum dritten Großen Platzmeistertreffen in Niederdorla zu Pfingsten 2023, dem Jahr, in dem Niederdorla vor 800 Jahren erstmals schriftlich erwähnt wurde. 

Zum großen Umzug der Platzmeister und Ehrendamen Pfingstsonntag, dem 28. Mai, marschierten 52 ehemalige Platzmeister mit ihren Ehrendamen vom Mühltor bis zum Anger. Das älteste Paar waren Bernhard Muder und Ehefrau Brigitte. Beide leiteten 1958 die Rechnung.
Richard Görmar und Henrik Laun waren die diesjährigen Platzmeister. Sie führten mit ihren Ehrendamen Vanessa von den Eicken und Aileen Heiligers in diesem Jahr 14 Rechnungspaare am Schluss des Umzugs. In Niederdorla waren es mehr Burschen als Mädchen. In den beiden anderen Vogteidörfern sind es immer mehr Frauen, erzählt man sich.

Das Platzmeisterpaar der Kinderrechnung 2023 waren Felix Abe und Klara Stollberg. 
Der älteste Burschen-Platzmeister Günter Schill amtierte 1957. Er war beim Umzug nicht mit dabei, aber viele dachten an Günter. Er wurde mehrfach öffentlich erwähnt. Der zweitälteste Platzmeister war Hans-Martin Laun.

Das Platzmeistertreffen begann am Pfingstfreitag mit einem Kommersabend. Hannes Hochheim und Eberhard Schill erinnerten an die Geschichte der Platzmeistertreffen:

Das erste fand 2008 statt. Damals gab es keine aktive Rechnung. „Das hat gewurmt“, erinnerte sich Eberhard. Da taten sich aktive Leute im Dorf zusammen und organisierten ein Platzmeistertreffen mit Gastronomie auf dem Anger. Eine so große Präsenz von Geschichte und Gegenwart brachte die Rechnung für die Zukunft wieder in Schwung. 2011 waren es wieder sieben Paare zur Rechnung. Und auch die Idee der Platzmeistertreffen war in der Welt. Im Jahr 2018 folgte das nächste Treffen in Niederdorla.

Die Platzmeister und Ehrendamen des Neuanfangs 2011 waren Patrick Halfpap mit Ehrendame Julia Hartung sowie André Martin mit Ehrendame Anika Pohl.

Und noch etwas kam in Schwung: Die Rechnung wird immer mehr eine Sache des ganzen Dorfes. So halfen in diesem Jahr viele Handwerker und Interessierte aus dem Dorf mit, die Toiletten auf dem Anger fertig zu bekommen. Pfingsten als Ziel wurde erreicht. Alle beteiligten Handwerker wurden auf dem Anger genannt. Es gab großen Applaus. 

Vielleicht beginnt nun ein weiterer Schritt der Verbindung von Rechnung und Dorf, wegen dem unglücklichen und doch glücklichen Aufstellen der Mega-Maie. Sie war ursprünglich 26 Meter hoch. Vielleicht wird das Aufstellen der Maie künftig eine Sache des ganzen Dorfes. So hat es diesmal geklappt und so kann es künftig klappen. Gerade weil sich die Rechnung entwickelt und anpasst, bleibt sie immer jung und eine Angelegenheit von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Wegen des Platzmeistertreffens waren auch die Alten und viele ehemalige Platzmeister mit im Wald, insgesamt saßen 60 Männer auf den Kremsern.
Zum Kommersabend war das Holen und Aufstellen der Maie noch Zukunft. Es ging um Gegenwart und Vergangenheit. I-evelise (Eberhard Schill) und Kamerten (Hartmut Götz) verlasen die Kirmespredigt von 1974. Ereignisse waren: Der Plan am Stausee einen FKK-Strand einzurichten, das Fußballspiel DDR gegen „Bonn“ mit gemeinsamem Fernsehkucken in der Schenke, die „wackelte“. Und ein Mann wollte lieber in die Kneipe, statt Kirschen zu pflücken, also sägte er den Baum um. Auch wurde sich 1974 bereits über Heyerode amüsiert. Geschrieben hatten die Predigt Inge Götz und Heidi Muder.

Als nächstes kam der Stargast aus Langula: Gerd Gräbedünkel als ewiger Kamerten. Er kündigte sich selbst an als „Gelegenheit, einen echten Klingelarsch zu sehen“. Das brachte ihm den ersten Applaus. Staunend lernten die Frösche: Der beste Liebhaber aller Zeit sei Ötzi. Der sei 5000 Jahre in der Spalte gewesen und immer noch hart. Es folgte unter anderem die rhetorische Frage, was Jesus und Casanova unterscheide? „Der Gesichtsausdruck beim Nageln“, antwortete das lyrische Ich aus Langula. 

Nun kamen I-evelise als Oliver Laufer und Hannes Hochheim als Kamerten. Sie tauschten sich aus über die 800-Jahrfeier und die Geschichte Niederdorlas: “Mey sulln verkinde, ej sullts olle hiere: dos schinnste Dorf uff Arden derf Geburtsdoag gefiere!”

Außerdem waren I-evelise Laufer und Kamerten Hochheim mit den drei Vogteiern in Wien. 

Die drei Vogteier, die 1785/86 nach Wien liefen, waren Simon Breitbarth aus Oberdorla als Leiter der Vogteier Bittgesandtschaft, Johann Adam Herbst aus Niederdorla und Andreas Winterberg aus Langula. Die drei wollten den Kaiser bitten, ihre Belastungen, Steuern, Abgaben usw. zu senken. Pfingsten 2023 wurde das Geheimnis gelüftet: I-evelise und Kamerten waren mit dabei. Donnerwetter!

Patrick Halfpap, Florian Schneegaß wurden ausgezeichnet, weil beide jeweils drei Mal Platzmeister waren. Sie durften drei der großen Buttons tragen, die an die ehemaligen Platzmeister verliehen wurden, je Amtszeit. 

Den schönen Abschluss des Abends bekamen Viola Koppe und Uwe Kleinschmidt. Das Geschwisterpaar gaben I-evelise und Kamerten von 2003: Das lustigste Ereignis: Ein Niederdorlaer Geschäftsmann fuhr aus Versehen eine Woche zu früh in den Urlaub. 

Einen schönen Urlaub wünscht auch der Autor dieses Textes allen Leserinnen und Lesern.

Von Hannes Hochheim soll ausgerichtet werden: “Die Gruppenbilder vom Sonntag sowie Bilder vom Festumzug hängen im Schaufenster der Bäckerei-Filiale Henning in Niederdorla aus und können auf Wunsch bestellt werden. Alle Informationen dazu sind ebenfalls im Schaufenster ersichtlich.”

Michael Zeng
NiederdorlaER.de



“Die Letzten ihrer Art” - Interview mit den alten Recken des NCC.

"Möglichst wenig Worte bis es hinten knallt." _Siegmar Zenge 

Zum Komerschabend zum 60. Jubiläum des Carneval in Niederdorla 2018 waren drei Präsidenten des Niederdorlaer Carneval Clubs auf der Bühne: Jens Rauch, Ludwig Götz und Erhard Ludwig (von links nach rechts).
Zum Kommersabend zum 60. Jubiläum des Carneval in Niederdorla 2018 waren drei Präsidenten des Niederdorlaer Carneval Clubs auf der Bühne: Jens Rauch, Ludwig Götz und Erhard Ludwig (von links nach rechts).

Am Sonntag, dem 4. Dezember 2022, trafen sich drei alte Recken des Niederdorlaer Carneval Club (NCC) mit dem Autoren dieses Textes zum Interview über die alten Zeiten. Mit dabei waren Siegmar Zenge, Günter Szameitat und Hans-Jürgen “Hansi” Böhm.


Günter war aktiv von 1973 bis 1995, Siegmar von 1977 bis 2007, Hansi von 1975 bis heute und noch weiter.


Was ist der Unterschied zwischen dem Fasching heute und früher?


Siegmar Zenge: Das war eine ganz andere Zeit. Es gab die Hilfsmittel noch nicht, die es heute gibt, wie moderne Mikrofone. Die Lichtorgel haben wir per Hand geschaltet. Die Technik ist ein wichtiger Punkt beim Fasching.


“Ich trage Stiefel, keine Schuhe,

ich bitte hier im Saal um Ruhe.”


Siegmar sagt: “Ich war immer konzentriert auf vier bis fünf Nummern im Programm.” Die Texte hat er zusammen mit anderen geschrieben. Immer wieder erwähnt er Heidi Ludwig. Nach der Kirmes ging es los. Da wurde begonnen, das Programm der NCC-Spatzen vorzubereiten. Man traf sich, um Geschichten auszutauschen. Dabei wurde auch mal eine halbe Stunde auf eine Idee des anderen gewartet. Siegmar hat oft vorgearbeitet, hatte sich Texte ausgedacht und geschrieben. Von ihm kam der “Knetsch”. Heidi kannte die politischen Zusammenhänge. Deshalb kam von ihr die politische Kritik in den Texten. “In meinen war keine Politik, eher Klamauk, was zum Nachdenken.” Worüber nachdenken? Etwa über das was Siegmar als Bauer Piepenbrink zum Besten gab:


“Im Stalle standen Kühe, die hatten alle einen Namen. Die erste hieß Kuh Pernikus. Der Abstand von der ersten zur letzten Kuh war acht Meter weit, deshalb nannte ich sie Kuh Weit.”


Seit 1977 war Siegmar beim Fasching auf der Bühne, zuerst sang und spielte er im Trio. Helmut Freiboth hatte Siegmar eingeladen, weil er Schifferklavier spielen konnte. Mit dabei war Winfried Frey.


Das Trio ist nur ein Jahr jünger als der NCC. In den über 60 Jahren bestand das Trio meist aus mehr als drei Musikern. Zum 60. Jubiläum des Vereins sangen sieben Recken. Rechts im Bild: Günter Szameitat.
Das Trio ist nur ein Jahr jünger als der NCC. In über 60 Jahren bestand das Trio meist aus mehr als drei Musikern. Zum 60. Jubiläum des Vereins sangen sieben Recken. Rechts im Bild: Günter Szameitat. 

Immer wieder schwärmt Siegmar vom Bühnenbild Karl Neubauers. “Die Figuren und die Perspektive.” Siegmar sagte das quasi mit drei Ausrufezeichen. Er zeigte ein Foto vom Bühnenbild zum Motto FKK am Stausee mit weiblichen Personen. Alle bewunderten die Perspektive. 


Siegmar erzählt: “Wenn Karl das Bühnenbild malte, standen wir immer rum und haben dumme Sprüche gemacht.”  Einmal stieß Siegmar einen Farbtopf um. Im gemalten Nachttopf war ein Fleck. Karl zückte seinen Pinsel und machte aus dem Klecks einen Goldfisch im Nachttopf. 


Zwischendurch funken Erinnerungen hoch: “Die Ausfahrten des Vereins waren wichtig, genauso wie das Programm”, sagt Siegmar. 

Bei seinen Figuren legte Siegmar Wert darauf, nichts zweimal zu machen. Und Siegmar wollte auf der Bühne immer eine Figur sein, nicht der private Siegmar. Deshalb sprach er verschiedene Dialekte auf der Bühne.


“Wer mal in meinen Garten schaut,
der seinen Augen kaum noch traut,
so weit das Auge auch nur schaut,
hat Siegmar Knoblauch angebaut.”

Wichtig war ihm auch, die Büttenreden zu reimen. “Für einen guten Reim musste auch mal ein Wort wegfallen, was grammatisch wichtig wäre. Das musste ersetzt werden.”

Wie erzeugt man die Hämmer in der Rede? “Möglichst wenig Worte, bis es hinten knallt.” 

Wichtig war Siegmar der Rhythmus seiner Reime.


“Der Platz zum Schreiben wird jetzt enge.
Tschüss macht´s gut, sagt Siegmar Zenge.”

Zum 60. Jubiläum des Carneval in Niederdorla gab Siegmar Zenge wieder die Sieglinde. Während seines Auftritts hätte man eine Stecknadel fallen hören. Alle wollten hören, was er sagte. Sichtlich ihren Spaß hatten vor dem Auftritt “Sieglinde” und Ulrich "Ulli" Schill, der ebenso legendäre Finanzminister des NCC.
Zum 60. Jubiläum des Carneval in Niederdorla gab Siegmar Zenge wieder die Sieglinde. Während seines Auftritts hätte man eine Stecknadel fallen hören. Alle wollten mitbekommen, was er sagte. In der Gaststube ihren Spaß hatten “Sieglinde” und Ulrich "Ulli" Schill, der ebenso legendäre Finanzminister des NCC, der traditionell auch das Tor für den Einmarsch öffnet.

Günter Szameitat fing mit dem Trio an, beim Fasching aktiv mitzumachen. Vorher war er aber schon beim Jugendfasching dabei in der “Grünen Linde”. Das war die Kneipe Ecke Hauptstraße/Sperlingstraße, die in den späten DDR-Zeiten der Schulhort war.


Die unverheiratete Dorfjugend durfte nicht mitmachen beim großen Fasching. Dort durften nur Verheiratete rein. Deshalb machte die Jugend ihren eigenen Fasching in der “Grünen Linde”. “Nur, wenn in der Schenke Große Pause war, durften wir auf den Saal”, erzählt Günter. Das war bis Anfang der 1970er-Jahre so, meinen Günter, Siegmar und Hans-Jürgen “Hansi” Böhm.


Als Günter ins Trio kam, begann er mit Helmut Freiboth, Winfried "Winnie" Frey zu spielen. Dazu trommelte Wolfgang Lange. Günter spielte Gitarre. 


Günter kam zum Fasching, weil seine Frau im Damenballett getanzt hatte. Er wurde gefragt, “Was kannste? Was kannste machen?” Seine Antwort brachte Günter “automatisch” in den Verein.


Günter, Hansi und Siegmar erinnern sich noch an den “Alten Fasching''. Der sei anders gewachsen als der heutige. Auch gab es einen anderen Zusammenhalt. Da sind die drei alten Recken sich einig. “Wir sind die letzten ihrer Art.”


Günter: “Wir haben vom Verein auch mal ein Schwein geschlachtet und herrliche Kutschfahrten unternommen.” Die drei Recken geraten ins Schwärmen. “Das waren damals andere Zeiten, wir hatten nicht so viele technische Möglichkeiten.” Wichtiger sei der Enthusiasmus gewesen.


Günter nennt ein “schönes Beispiel”: Die allerersten Orden seien noch selbst gebastelt gewesen. Gerald Tischer und Helmut Freiboth waren die Kreativen. Die Orden wurden nach jedem Auftritt verliehen. Aber hinterher wieder eingesammelt. Die Kostüme seien früher selbst gestaltet worden.


Geld für die Ausrüstung wurde besorgt durch das Ausfahren von Einkellerungskartoffeln gegen Bezahlung von der LPG. [Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft]. Das hatte gut geklappt. Im Dorf ging der Spruch rum vom “Millionenclub”.


Siegmar fasst zusammen: Zum Thema “alter Fasching” und “neuer Fasching” wird wohl immer gelten, was Heidi Ludwig sagte:


“Es wird ein anderer Fasching werden, Hauptsache, es geht weiter.”


Da sind die drei alten Recken sich einig.


Zum “Alten Fasching” zählt: Bis 1975 wurde jedes Jahr ein neuer Elferrat gewählt. Der alte Elferrat schlug neue Leute vor. Danach wurde ein Verein gegründet mit Vorstand und so weiter.


Hans-Jürgen “Hansi” Böhm flog 2017 als erster Vogteier zum Mars im Auftrag des Niederdorlaer Carneval Clubs.
Hans-Jürgen “Hansi” Böhm flog 2017 als erster Vogteier zum Mars im Auftrag des Niederdorlaer Carneval Clubs. Über 40 Jahre vorher hatten Kosmonauten des NCC bereits den Mond erobert.

Warum macht man Fasching?


Günter: “Ich bin in die Rolle reingerutscht, weil es Spaß macht.” Und weil ihm gesagt wurde: “Wir brauchen eine Gitarre!”

Hansi: “Weil es Spaß macht und die Geselligkeit da ist. Das ist unsere Freude.”

Siegmar: “Bei mir war es reine Selbstdarstellung. Ich wollte mir beweisen, für etwas gut zu sein. Diese Bestätigung habe ich gefunden.” Das Programm wurde auf Siegmar zugeschnitten. Auf seine Pausen, die er brauchte, um sich umzuziehen. 


Das Trio mit Günter sorgte nach der Pause wieder für Stimmung und holte das Publikum ins Programm zurück. 


War früher das Programm besser?


Die Chöre im NCC machten Musical. Andere Vereine haben das schon früher gemacht. Deshalb haben wir das auch gemacht. Das Programm wurde schon immer jedes Jahr gesteigert. Da waren sich alle drei Recken einig. 


Günter erinnert sich: “Anfangs saß der Elferrat auch auf der Bühne. Das endete, als für die Reise zum Mond der Laufsteg gebaut wurde.” Günter erinnert sich auch an den Bau der berühmten Bütt. Er hatte beruflich Zugang zu dem Fass. Das wurde in zwei Hälften gesägt. Die Hälfte ohne Loch ging zum Karnevalsverein Görmar, die Hälfte mit dem Loch kam nach Niederdorla. In das Loch kam eine rote Glühlampe. Drum herum malte Karl Neubauer das lachende Narrengesicht.” Hansi meinte: “Der Bühnenmaler wurde früher mit Bratwürsten bezahlt.” 


Hansi erinnert sich weiter: In einem Jahr mussten die Büttenreden vorher beim DDR-Bürgermeister eingereicht werden. Siegmar lacht: Dabei wurde alter Stuss abgegeben. Auf der Bühne wurden andere Reden gehalten. Trotzdem gab es nie Probleme.


Nun sangen Günter, Hansi und Siegmar: “Wir wollen mal übern Zaun, nur mal schaun, ohne abzuhauen.” Das war das legendäre Lied der NCC-Spatzen. Das wurde Jahre vor der Grenzöffnung gesungen und erzeugt immer noch Gänsehaut. 


Was macht den NCC aus?


Günter und Hansi: Wir haben unser Lied. Das sagt alles aus: “Wir sind alle, alle eine Familie.” Manche gehen, manche kommen dazu, aber es bleibt eine Familie. 

Siegmar: “Die Geselligkeit und der dumme, dumme Knetsch.” Das letztere brüllt er auf Siegmar-Art. Und haut auf den Tisch.


Donnerwetter!


Das Interview führte Michael Zeng. Fotos: Michael Zeng



www.NiederdorlaER.de

Der "Charfreitag" in der Vogtei vor 1857

Eine feierliche Stille herrscht durch das ganze Dorf, kaum sieht man ein altes Mütterchen hinter dem Fenster stehen und vorlugen; Alles, was gehen kann, ist in der Kirche; die Einsegnung der Confirmanden und der Genuß des Abendmahls hat die Bewohner dahin gerufen. Jetzt ist die Kirche aus, die Thüre öffnet sich. Kommt eine Procession heraus oder ist wie bei den Katholiken Hochamt gewesen, oder hat jeder Bewohner seine Kirchendienerin? Nein, das Alles nicht; es sind die Bewohner selbst in ihrem Sonntagsstaat, und vorzüglich die „Freiben“ (Frauen) und „Maichen“ (Mädchen), die diese Befürchtungen aufkommen ließen. Ein langer weißer Mantel, ganz nach Art eines Chormantels, in viele Falten am Hals gelegt, umschlingt die Gestalten dermaßen, daß nur die grünen und blauen Tuchschuhe mit Lederbesatz und großen silbernen und stählernen Schnallen, durch die meistentheils ein hellgrünes Band als Schleife gezogen ist, und die schwarzen Strümpfe eigentlich hervorsehen, denn auf dem Kopfe thront die Schnorrbätzen (Mütze) und verdeckt Haar und Hals. Diese Mütze besteht aus einer kleinen Haube von Pappe, die mit schwarzer Seide oder Atlas überzogen ist und in dergleichen Bänder ausläuft. Schneeweiße Spitzen (von deren gebrannter runder, welliger Form das „Schnorr“), die zur Seite wie ein geöffnetes Scheuerthor in die Welt hinausstehen und oben auf der Stirne in eine Schneppe zusammenlaufen, umfassen die Kante der Haube. Zwischen diesen Schnorrbätzen hindurch windet sich noch ein anderer Kopfputz bei sonst gleicher Kleidung. Es ist der Spitzen-, auch Duten-Heit (Hut) einer Gevatterin. Ein Posamentirladen hat da sicher seinen ganzen Spitzenvorrath hergeben müssen, um dieses Kunstwerk der Mode auszustaffiren! Der Hut besteht aus dem einfachen Dutenhut, aber bis in’s Unendliche mit zierlichen Spitzen in den verschiedensten Formen umwunden. Leider konnte ich hiervon keine Zeichnung machen, indem diese Kopfbedeckung nur äußerst selten bei besondern festlichen Tauffällen vorkommt, und dann allemal erst zwei Tage vorher (so viel Zeit erfordert sie nämlich bei einer geschickten Putzmacherin nach Aussage einer Vogteier Frau) angefertigt, und nach Beendigung des Festes gleich wieder zerlegt wird.

Gravitätisch schreitet der Mann oder Bursche einher; ein langer, enganliegender, kurztailliger grüner oder blauer Ueberrock mit blanken Knöpfen, die dicht aneinander in zwei Reihen aufgenäht sind und mit einem stehkragenähnlichen Kragen umschließt seine Gestalt; lederne gelbliche Beinkleider reichen bis zum Knie und sind hier mit langen schmalen Riemen zusammengebunden, so daß aber noch eine Menge davon zum Herumbummeln übrig bleibt. Enge Halbstiefeln umfassen das wadenlose Bein und lassen die grauweißen Strümpfe ein Stückchen hervorsehen. Der Kopf erhebt sich zwischen dem über den Rockkragen hervorragenden, mit meist dunkel buntem Tuche unterbundenen gesteppten weißen Hemdkragen, stolz die Lampe, einen Dreimaster von ungeheuren Dimensionen, balancirend. Alte Leute kommen mit dem Stoab (Stab) angewankt, und besteht dieser aus einem Stück Latte von Zweidrittel Höhe des Trägers.

Aus der Zeitschrift DIE GARTENLAUBE,  Heft 25, 1857